Naturschutzgebiet Weper

Natur vor Ort: Beobachtungsexkursionen auf dem Halbtrockenrasen der Weper deuten an, dass Artenvielfalt hier ein lebendiger Begriff ist. Jugendliche der KGS Moringen machen sich mit der Kamera auf den Weg und beschreiben den Spätsommer-Mesokosmos der Weper. 

Das Naturschutzgebiet "Weper" ist ca. 200 ha groß und liegt zwischen Fredelsloh und Hardegsen. Die Weper ist einer der größten und artenreichsten Halbtrockenrasen Niedersachsens. Die Trockenrasen, die an den zum Teil sehr steilen Hängen der Weper liegen, sind im vorletzten Jahrhundert durch Abholzung und Beweidung entstanden.
Wasser und Nährstoffe gibt es wenig auf den stark besonnten Halbtrocken- und Trockenrasen. Im Sommer können in Bodennähe Temperaturen bis zu 50 °Grad C erreicht werden.
Das besondere Merkmal des NSG Weper ist, dass es wie ein Mosaik aus offenen Flächen und verwaldeten oder verbuschten Zonen besteht. Dieses Mosaik macht die Weper zu einem einmaligen Lebensraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Eine Schülergruppe der nahegelegenen Kooperativen Gesamtschule Moringen unternahm mehrere Exkursionen in das Gebiet, um Untersuchungen durchzuführen und eine Dokumentation zur biologischen Artenvielfalt des Gebietes zu starten. Dabei wurden Film- und Fotoaufnahmen über die Eigenschaften des Halbtrockenrasens und über das Vorkommen bestimmter Tier- und Pflanzenarten gemacht. Einige davon werden hier vorgestellt.

 

Arten im Fokus:

 

Lothringer Lein

Der Lothringer Lein (Linum leonii) ist ausgesprochen selten und gilt in Deutschland als stark gefährdet. In Frankreich befinden sich etwa 80 % der Gesamtvorkommen. Obwohl die Art in Österreich und der Schweiz fehlt, existieren kleinere Vorkommen auch in Mittel- und Süddeutschland. Auch das NSG Weper beherbergt in Teilbereichen diese seltene Art. Der Lothringer Lein bevorzugt lückige, stark besonnte und kalkhaltige Standorte. Um diese Voraussetzungen auch auf den Halbtrockenrasen der NSG Weper zu erhalten, ist die Pflege durch Beweidung und vor allem der Rückschnitt der Strauchgewächse zu gewährleisten und existentiell für das Überleben dieser Art in den isolierten Vorkommensgebieten Südniedersachsens.

Als Pflanze von Kalkmagerrasen könnte der Lothringische Lein aus botanischer Sicht durch eine Erwärmung des Klimas begünstigt werden.

Das Besondere des Lothringer Leins im Vergleich zu anderen Unterarten ist, dass er ein Selbstbestäuber ist, was bedeutet, dass die Pflanze von ihrem eigenen Pollen bestäubt wird. Ein wenig mehr Sicherheit für ein Überleben am Rande ihres nördlichen Verbreitungsgebietes ist für diese Art dadurch schon gegeben.

 

Veränderliche Krabbenspinne

Das Chamäleon unter den Spinnen!
Die veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) lauert meist, gut angepasst durch ihre Färbung, auf den Blüten der Blumenwiesen. Sie baut keine Netze, in denen sich ihre Opfer verfangen, sondern sie arbeitet mit dem Chamäleon-Trick. Die erwachsenen Weibchen sind in der Lage, ihre Körperfarbe zu verändern. Zwar nicht so stark wie das Chamäleon aber ausreichend, um nicht auf ihrem Jagdsitz erkannt zu werden.

Zwischen grünlich-weiß, weiß und gelb passen sie sich den Blüten an, auf denen sie lauern. Landet ein Beuteinsekt, packt es die Spinne blitzschnell mit ihren langen, dornenbewehrten Vorderbeinen und injiziert mit einem Biss ein rasch wirkendes Gift. Das versetzt sie in die Lage, selbst Insekten zu erbeuten, die das Mehrfache ihrer eigenen Körpergröße haben.

 

Wespenspinnen: Begünstigt durch den Klimawandel?

Vor einem Jahrhundert galt die Wespenspinne (Argiope bruennichi) in Deutschland noch als ein seltener Gast. Aber für die Wespenspinne scheint der Klimawandel auch etwas Gutes mitzubringen. Das Verbreitungsgebiet der mediterranen Art schiebt sich langsam gen Norden fort und reicht heute schon bis Finnland. Auch auf dem Halbtrockenrasen des NSG Weper findet man diese wärmeliebende Art. Die weiblichen Tiere fallen dabei eher ins Auge: sie werden bis zu 25 mm groß. Die Männchen sind wesentlich kleiner. Interessant ist das Netz des zu den Radnetzspinnen gehörenden Tieres. Es enthält oft ein sehr auffälliges Zickzackband. Über den Zweck dieses Bandes gibt es mehrere Spekulationen – eine davon ist, dass es sogar den kleineren einfliegenden Vogelarten widerstehen kann und so verhindert, dass das gesamte Netz zerstört wird.

Während der Paarungszeit sind die männlichen Wespenspinnen einer besonderen Gefahr ausgesetzt. Extrem kannibalistisch versucht das Weibchen unmittelbar nach Beginn der Paarung, das Männchen zu erbeuten.

http://www.neobiota.de/klimawandel.html
https://idw-online.de/de/news449755